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Die Presse

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1.

Alexandra, du bist nun schon seit einiger Zeit täglich bei Sat. 1 zu sehen. Als ausgebildete Kommissarin kommst du im TV sehr "straight" rüber. Ist die private Alexandra auch so hart?

A. Rietz: Es ist natürlich immer schwierig, sich selbst objektiv einzuschätzen. Aber ich finde auch, dass ich im Fernsehen sehr “tough” rüberkomme. Ein solches Verhalten ist als Polizeibeamtin aber auch oftmals erforderlich, um von seinem gegenüber ernst genommen zu werden. Im Privatleben bin ich meiner Meinung nach viel lockerer und lustiger. Das bestätigen mir auch immer wieder völlig überraschte Menschen, die mich aus der Serie kennen und dann privat treffen. Leider bleibt bei der kurzen Sendedauer von "K 11" kaum Zeit, unsere privaten Seiten zum Vorschein zu bringen.



Du hälst dich aufgrund der Dreharbeiten überwiegend in München auf. Wie gefällt dir die Stadt?

München ist eine wunderschöne Stadt! Als ich im Juli 2003 meine erste Woche in München verbracht habe, war ich überwältigt! Der englische Gar-ten, die Isar, die alten gepflegten Häuser, die vielen Cafés, die Biergärten, ...Merkwürdigerweise sieht man hier nie überfüllte Mülleimer, Obdachlose, Drogenabhängige oder im Parkverbot abgestellte Fahrzeuge. Das liegt wahrscheinlich an der enormen Polizeipräsenz und der korrekten, kontrollierenden Art der Münchner. Am Anfang wusste ich nicht, ob ich das gut finden soll oder nicht. Bin ich zum Beispiel mal aus meinem Auto gesprintet, um einen Brief einzuwerfen, wurde ich sofort darauf hingewiesen, dass ich dort nicht stehenbleiben darf (was ich auch nicht vorhatte). Bin ich beim Umspringen der Ampel auf grün nicht sofort losgefahren, folgte ein Hupkonzert, bevor ich überhaupt den 1. Gang einlegen konnte. Einmal hatte ich sogar einen Zettel hinter meinem Scheibenwischer, dass ich mein Auto beim nächsten mal doch bitte 5 Zentimeter (!) weiter von der Hauswand entfernt parken solle, damit die Wärme der Heizungsrohre besser aus dem Kellerfenster abweichen kann (?!). Ich habe gesehen, wie In-linefahrer gebührenpflichtig verwarnt wurden, weil sie einer Traube Spaziergänger auf dem Radweg ausgewichen sind u.s.w...

Hinzu kommt, dass man sich erstmal an die manchmal etwas ruppige Art der Menschen hier gewöhnen muss! Zunächst hatte ich des öfteren das Gefühl, unfreundlich behandelt zu werden, oder dass kaum jemand meinen Humor versteht.Diese für mich gänzlich neuen Ehrfahrungen schob ich auf meinen norddeutschen Dialekt. Mittlerweile kann ich diese ersten Eindrücke aber überhaupt nicht mehr nachvollziehen. Mein Bild von der Stadt und den Einwohnern hat sich absolut zum positiven gewandt. Es ist sehr beruhigend, selbst nachts alleine durch die Stadt laufen zu können. Außerdem durfte ich erfahren, dass hinter der ordnungsliebenden Mentalität der Münchner eine sehr große Hilfbereitschaft steckt und dass auch ihre Witze lustig sein können. Wenn man ein paar kleine Verhaltensregeln beachtet, dann gelangt man zu dieser Erkenntnis. Seitdem ich beispielsweise beim Bäcker nach einem lauten "Grüß’Gott" Semmeln anstatt Brötchen bestelle, schaue ich schon am frühen Morgen in strahlende Gesichter. Man muss sich einfach etwas anpassen. Hat man das als Zugereister geschafft, kann man nicht anders, als diese Stadt zu lieben.

Sicherlich vermisst du Osnabrück. Was fehlt dir am meisten und welches Restaurant sollte am besten in München stehen?

Ich vermisse am meisten meine Familie und meine Freunde! Außerdem die tollen Osnabrücker Veranstaltungen, wie z. B. die Maiwoche, den Weih-nachtsmarkt oder "Osnabrück isst gut". Nicht zu vergessen, die Weller-Partys! Was mir auch häufig fehlt, ist mein Dienst bei der Osnabrücker Po-lizei. Ich hatte immer nette Kollegen, interessante Aufgabenbereiche und war mit Leib und Seele dabei.

Ich denke oft daran zurück, wie schön es war, spontan Feierabend zu machen, Freundinnen zu besuchen, durch die Fußgängerzone zu schlendern, einen Kaffee trinken zu gehen, um den Rubbenbruchsee zu joggen, im Moskau-Bad zu liegen, wieder zur Dienststelle gerufen zu werden oder ein-fach nur zu faulenzen. Ich war immer spontan und habe das genossen. Jedesmal wenn ich jetzt nach Hause komme, freue ich mich und versuche, das alles nachzuholen. Ich treffe mich mit meiner Familie und meinen Freunden. Am liebsten zu Hause oder bei "O´Vesuvio", "Alte Fabrik" oder "Da Pietro". Diese Lokale sind im Vergleich zu vielen Münchner Restaurants viel persönlicher. Man wird mit einer Umarmung begrüßt und setzt sich zusammen an einen Tisch, um eine Runde zu quatschen. Dann bummel ich durch die Stadt, schaue bei meinem Lieblingsgeschäft "clip" vorbei und besuche selbstverständlich meine alten Kollegen. Zum Sport komme ich an meinen Wochenenden in Osnabrück leider nicht mehr ... Aber ich bin wirklich froh, dass alle so viel Verständnis für meine knappe Zeit haben und den Kontakt nicht abreißen lassen. So kommt Heimweh gar nicht erst auf!


Der Fall Moshammer ging durch alle Medien. Wie habt ihr die Story in München mitbekommen? Kanntest du den außergewöhnlichen Modema-cher?

Ich habe von dem Mord morgens im Radio gehört. Der Schlusssatz des Sprechers war: "Daisy geht es den Umständen entsprechend gut!" Ich dachte, die machen einen schlechten Scherz! Leider nicht!

Dass München das größte Dorf Deutschlands ist, sagt man nicht umsonst. ...

Die Leute hier kennen sich. Und Rudolph Moshammer kannten sehr sehr viele Leute. Sie liebten ihn für seine skurrile und mildtätige Art! Ich selbst habe ihn nur einmal gesehen, als er vor seinem Geschäft von seinem Chauffeur abgeholt wurde. Ein echter Paradiesvogel! Dass sein Tod solche Aus-maße nach sich ziehen würde, hätte ich aber nie gedacht! Die Leute pilgern heute noch zu seinem Geschäft, legen Blumen ab und zünden Kerzen an. Am Tag seines Begräbnisses herrschte in München Verkehrschaos ...

Zu deiner Arbeit: Ihr dreht eine ganze Menge Folgen. Wie sieht der Ablauf aus und wie oft bist du am Set?

Wir drehen Montags bis Freitags, von morgens bis abends. Viermal im Jahr habe ich 2-3 Wochen Urlaub. Mein Tagesablauf sieht so aus, dass ich morgens aufstehe und direkt zum Set fahre. Die Drehorte sind an vier Tagen in der Woche immer woanders. Meistens drehen wir die Außenaufnah-men in Privatwohnungen, Firmen oder im Freien in und um München. Täglich sind es 3-4 Drehorte. Ich muss eine dreiviertel Stunde vor Drehbeginn da sein. Dann begrüße ich kurz das Team und die Komparsen, ziehe mich um, werde geschminkt und verkabelt. Dann geht es richtig los! Mein Kollege Michael und ich lernen die Texte aufgrund der Masse immer erst direkt vor jeder Szene. Am Anfang haben wir dafür auch schon mal länger gebraucht. Aber mittlerweile schaffen wir es, sogar Szenen über 4 Seiten nach einmaligem Lesen zu spielen. Fünf Minuten später darf man uns na-türlich nicht mehr fragen, was wir da gerade erzählt haben. Denn nach jeder abgedrehten Szene löschen wir unsere Festplatten und lernen den neuen Text. Bevor eine Szene gedreht wird, spielen wir sie dann einmal mit den Komparsen durch, wobei der Regisseur uns und den Kameraleuten genaue Anweisungen gibt. Es ist unglaublich, was alles zu beachten ist. Neben dem Text müssen wir an bestimmten Stellen unsere Positionen wechseln, dabei immer darauf achten, dass wir passend im Licht stehen und nichts und niemanden für die Kameras verdecken. Wir müssen auf Situationen emotional reagieren und Schlüsselwörter oder offene Fragen in unserem Text auffangen, falls ein Komparse vergessen hat, sie zu erwähnen. Das war am Anfang schon eine Menge! Mal abgesehen davon, dass es sehr gewöhnungsbedürftig war, ständig von den vielen Menschen umgeben und dabei hochkonzentriert zu sein. Oder auch die kaum vorhandene Intimsphäre, z. B. dass jedes unserer Wörter mitgehört werden kann. Unsere Handys müssen während der Dreharbeiten aus sein, damit es keine Tonstörungen gibt. Am fünften Tag drehen wir dann in einem langfristig angemieteten Objekt sämtliche Büroaufnahmen für die vier Folgen der Woche. Wir springen dabei von einem Drehbuch ins nächste, drehen die ca. 25 Szenen kreuz und quer, wobei wir uns etwa 15 mal umziehen müssen.



Wenn wir dann an den Drehtagen abends (teilweise durchgefroren) nach Hause kommen, machen wir nichts weiter außer uns abschminken, in die Wanne legen, die Sachen für den nächsten Tag packen und vielleicht noch ein Drehbuch lesen. An den Wochenenden fahre ich nach Osnabrück oder telefoniere mit meinen Freunden, erledige meinen Privatkram, lese Drehbücher, gehe essen, hole meinen Schlaf nach oder genieße einfach mal das Alleinsein, sofern wir keine anderen Termine haben. Party mache ich nur noch ganz selten - wer hätte das gedacht ;o)

Und trotz des Stresses bin ich überglücklich, diesen Job zu haben. Die Arbeit macht sehr viel Spaß, das Team ist super und meine Kollegen Michael und Branko sind unglaublich nett und witzig. Außerdem herrscht am Set so gut wie immer eine Hochstimmung. Das alles sind schon außerge-wöhnliche und aufregende Erfahrungen für eine Osnabrücker Polizistin!

Würdest du gerne wieder in deinen eigentlichen Job zurückkehren wollen? Beim ersten Eulenspiegel Partyweekend vor zwei Jahren hast du dich ja noch um die Sicherheit von Christian Wulff gekümmert.

Auf jeden Fall kann ich mir vorstellen, zur Polizei zurückzukehren! Das war ja mein Traumjob, der mir immer Spaß gemacht hat! Und der Abschied ist mir wirklich nicht leicht gefallen! Ich bin sehr froh, erleichtert und dankbar, dass mich meine Osnabrücker Kollegen unterstützten, bestärken und immer noch mit offenen Armen empfangen! Danke schön!

Du bist ja mittlerweile Schauspielerin. Wie sieht deine Zukunft aus? Werdet ihr weiterhin für Sat.1 drehen und gibt es auch andere Anfragen für wei-tere TV-Rollen? Man könnte dich ja auch als Assistentin vom Bullen von Tölz einplanen, oder?

Als ich meinen Job bei der Polizei vor 1,5 Jahren aufgegeben habe, bin ich ein großes Risiko eingegangen. Ich habe diese Entscheidung getroffen, obwohl die Serie theoretisch nach 4 Wochen hätte abgesetzt werden können. Seit diesem gewagten Schritt blicke ich nicht mehr so weit in die Zukunft. Keiner weiß genau, wie lange "K 11" laufen wird. Fest steht zur Zeit nur, dass die Quoten sensationell sind, wir definitiv bis Ende 2005 drehen und ab dem 28.2. den Sendeplatz von 19.45 Uhr bis 20.15 Uhr bekommen werden. Aber ich habe keine Ahnung, was in einem Jahr los sein wird!

Natürlich könnte sich für mich nach "K 11" etwas beim Fernsehen ergeben. Realistisch gesehen sollte ich aber nicht davon ausgehen. Außerdem möchte ich einfach alles auf mich zukommen lassen. Und so lange "K 11" läuft, sich die Serie bzw. wir uns immer weiterentwickeln und mir die Ar-beit Spaß macht, werde ich auf jeden Fall dabei bleiben!

Kopiert von http://www.dereulenspiegel.de/

 

5.

 






Alexandra Rietz



Wenn Alexandra Rietz ein paar Tage frei hat, fährt sie nach Osnabrück. Dort besucht sie die alten Kollegen der Kriminalpolizei, trinkt mit ihnen im Aufenthaltsraum eine Tasse Kaffee, steckt ihren Kopf von Büro zu Büro. Als die 33-Jährige noch für die Polizei im gehobenen Dienst arbeitete, saß sie einige Jahre in der Abteilung Rauschgift. "Dort hing mein Herz. Ich hatte Superkollegen, konnte Büroarbeit erledigen und zwischendurch war immer etwas los: eine dicke Razzia, Telefongespräche abhören oder Festnahmen", sagt die Niedersächsin, die 2003 ihren Job an den Nagel hängte, um für die SAT.1-Serie "K 11 - Kommissare im Einsatz" nach München zu ziehe.
Ich wusste eine Weile nicht, ob ich tatsächlich bei der Serie mitmachen sollte. Zwar bewarb ich mich, doch das war nicht so ernst gemeint. Bei den Probeaufnahmen merkte ich jedoch, wie viel Spaß das Drehen macht. Obwohl es immer mein Traum war, bei der Polizei zu arbeiten, hatte ich Lust, einmal etwas anderes zu machen. Nun steht die Polizeioberkommissarin also tagtäglich vor der Kamera, fahndet nach fiktiven Mördern, Zuhältern und Geiselnehmern. Wie im richtigen Polizeialltag? Im Prinzip schon, sagt Alexandra Rietz. Natürlich verdächtigen wir in der Serie aus dramaturgischen Gründen erst einmal den Falschen. Das kommt in der Realität auch vor, aber selten. Doch letztlich stellt die Sendung die Polizeiarbeit authentisch dar.

Es gibt einige Kleinigkeiten, die frei erfunden sind. Das Ergebnis einer Speichelprobe liegt in der Serie nach einem halben Tag vor, das dauert normalerweise viel länger. Aber da wir eine Geschichte in nur 25 Minuten erzählen müssen, geht das nicht anders. Ab und an greifen Alexandra Rietz und Kollege Michael Naseband jedoch auch einmal ins Drehbuch ein. Einmal hieß es, wir sollten Fingerabdrücke von einem Spaten mit Holzstiel nehmen. Das geht nicht, weil an der rauen Holzoberfläche keine Abdrücke nachzuweisen sind. Dann bekam der Spaten also einen Metallstiel.

Manchmal denkt sich auch Alexandra Rietz, dass die Geschichten um Intrigen, Mord oder Prostitution nicht der Wirklichkeit entsprechen können. Doch auch das wahre Leben bietet Fälle, von denen man denkt, sie seien unfassbar. Dem Zuschauer gefällt´s. Um die zwölf Prozent der 14- bis 49-Jährigen schalten ein, wenn das schlagfertige Trio (seit Oktober 2004 ist auch Branco Vukovic mit an Bord) seine Ermittlungen aufnimmt. Ich kann mir vorstellen, dass die Zuschauer unsere Mischung mögen: Kriminalität und Voyeurismus. Wir sitzen nicht nur im Büro, sondern fahren zu den Verdächtigen hin, durchsuchen das Wohnzimmer und nehmen die Spurensicherung auf, sagt sie. Hinzu kommt, dass eine spannende Story gezeigt wird, die innerhalb einer halben Stunde abgeschlossen ist. Der Zuschauer kann sich die Geschichte schnell ansehen und muss nicht wie bei einem Tatort eineinhalb Stunden auf die Lösung warten. Die besondere Note bekommt die Sendung durch ihren Real-Stil, spielen doch die Darsteller quasi sich selbst.

Von der harten, etwas unterkühlten Alexandra Rietz aus der Serie ist im Gespräch mit der überaus fröhlich gestimmten Darstellerin nichts zu spüren. Aus diesem Grund werde ich nur selten erkannt, sagt sie. Viele der Gastdarsteller stellen nach den Dreharbeiten fest, dass ich in Wirklichkeit viel lockerer bin. Das hat wohl etwas damit zu tun, dass ich am Anfang der Dreharbeiten ein bisschen gehemmt war und mich zurückhaltender darstellte als ich wirklich bin. Dabei bin ich geblieben.

Als Schauspielerin fühlt sich die sportliche Single-Frau jedoch nicht. Wenn mich einer fragt, was ich beruflich mache, antworte ich ´Polizistin´ und hoffe, dass er nicht nachbohrt. Sie könne sich schon vorstellen, die Schauspielerei auszubauen. Doch auf der anderen Seite vermisse sie ihren alten Job. Ab und an mal Streife fahren und dabei mit den Kollegen plaudern, das hat mir sehr gefallen. Oder die Arbeit bei der Mordkommission. So schrecklich die Hintergründe auch sind, ist es spannend an der Aufklärung zu arbeiten und ein Erfolgserlebnis zu erfahren.

Die Rückkehr in den Polizeidienst wird jedoch nicht so leicht gehen wie beispielsweise bei den Kollegen Niedrig und Kuhnt (SAT.1, werktags, 17 Uhr), die für ihre Serie freigestellt wurden. Niedrig und Kuhnt´ waren die ersten Polizisten in einem solchen Format. Als dann der Reality-TV-Boom kam, entschloss sich die Polizei, uns nicht zu beurlauben, weil sie befürchteten, es könnten noch viele Kollegen dem Beispiel folgen. Deswegen musste ich kündigen. Doch ich kann mich jederzeit wieder neu bewerben.

text: http://www.viva.de/

Bild: Webmasterin Ashlee91@gmx. de